erwach(s)en

«schreibe doch über das erwachsensein», haben sie mir gesagt

was bedeutet schon erwachsen sein, habe ich mich gefragt

wer bin ich, um das in worte zu fassen? 18 jahre, sind das genug, um zu verstehen, was dieses grosse wort wirklich bedeutet? da sind ja nur verworrene beine, wie soll man sich zurecht finden; da muss man noch etwas

wachsen

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wachsen

um über die ganzen köpfe hinweg zu sehen, was erwachsen sein heisst.

erwachsen sein, das ist morgens kaffee trinken, weil man einfach nicht auf 8 stunden schlaf kommt,

wenn man beim aufstehen flucht, denn man wird auch langsam alt

immer wieder post bekommen, aber keine postkarten mehr –

erwachsen sein heisst merken, dass mama doch recht hatte, als sie meinte, mit dieser jacke werde dir kalt

und wie schön es ist, ab und an allein zu sein

sich an blumen erfreuen, das ist erwachsen

wenn man versteht, wenn man die fragen des lebens beantworten kann, wenn man weiss, was die welt im innersten zusammenhält; oder so in etwa habe ich einst geglaubt. aber manche wissen noch immer nicht, wo rechts ist und wo links und dabei

haben wir das doch im kindergarten geübt. «wissen», das kann man ja sowieso eigentlich nie, das wusste schon sokrates und vielleicht …

ist man dann wirklich erwachsen – wenn man weiss, dass man nicht wissen kann.

weshalb also kondensieren wir diese nuancen zu einer fetten, schwarzen, mit edding gezogener grenze? gestern war ich noch kind, heute bin ich volljährig, kann abstimmen und wählen und mich mit steuern quälen und trotzdem

voll gejährt bin ich nicht, das sind wir alle nicht; unsere ohren und nase kennen schliesslich keinen stillstand, genau wie wir. auch heute mag ich ziellos rennen, hopsehüpfen und kuchenteig roh essen. auch heute bin ich nicht ausgewachsen. wachsen ist auch so

u n k o n t r o l l i e r b a r

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kein zurück oder zurecht, es geschieht mir wider willen. deshalb bin ich immer überrascht, wenn ich merke, wie ich gewachsen bin. ich habe nie meine zustimmung gegeben, keine AGBs akzeptiert. verrinnt die zeit deshalb so schnell? denn heute ist schon gestern und morgen ist heute; da bleibt kaum ein moment um

durchzuatmen

es ist diese furcht vor zeit, die es mir verrät – dass ich nicht mehr das kind von damals bin. jetzt, ganz gewachsen, denke ich an früher, und

die vergangenheit ist milde gestimmt – was sonst noch war, das ist vergessen.

es bleibt nur noch das schöne zurück.

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