Erwachsen werden heisst, den eigenen Weg zu finden

Ein Gespräch mit Eltern, die die Kantonsschule Zimmerberg seit ihren Anfängen kennen

Die Kantonsschule Zimmerberg ist in den vergangenen Jahren gewachsen: neue Jahrgänge, neue Klassen, neue Standorte, neue Erfahrungen. Inzwischen hat die Schule ihren ersten vollständigen Zyklus als Lang- und Kurzgymnasium durchlaufen. Was bedeutet dieses Erwachsenwerden der Schule und der Kinder aus Elternsicht? Darüber haben wir mit einem Elternpaar gesprochen, dessen Kinder unterschiedliche Wege an und mit der Kantonsschule Zimmerberg gegangen sind: Zwei haben die Maturität bereits abgeschlossen, zwei weitere wurden oder werden noch auf ihrem Weg begleitet.

Sie haben mehrere Kinder durch verschiedene Phasen der Kantonsschule Zimmerberg begleitet. Haben Sie diese Wege ähnlich erlebt?

Nein, eigentlich sehr unterschiedlich – so unterschiedlich, wie die Kinder selbst sind. Jedes Kind packt Herausforderungen anders an. Dazu kam bei uns, dass zwei Kinder zuerst an der Sekundarschule waren und den Weg über das Kurzgymnasium gewählt haben, während die anderen zwei den Weg über das Langgymnasium gegangen sind. Schon dadurch waren die Voraussetzungen ganz verschieden.

Beim Langgymnasium waren wir teilweise auch kritisch. Die Kinder sind beim Eintritt einfach noch jünger. Im Kurzgymnasium sind sie zwei Jahre reifer und das macht sehr viel aus. Im Gymnasium kommt zudem viel auf einmal: Fast jedes Fach hat eine eigene Lehrperson, die Beziehungen müssen neu entstehen, die Organisation wird anspruchsvoller. Das ist gerade für jüngere Schülerinnen und Schüler eine grosse Herausforderung.

Gleichzeitig haben wir den Anfang der Kantonsschule Zimmerberg als sehr besonders erlebt. Unser ältester Sohn war Teil eines der ersten Jahrgänge. Es war sehr familiär, und man spürte: Diese Schule wird gerade aufgebaut. Das Engagement der Lehrpersonen war bei uns zu Hause deutlich spürbar. Es war nicht einfach ein System, das schon seit Jahren gleich funktioniert, sondern eine Schule, die sich bewusst entwickelt.

Was bedeutet Erwachsenwerden im schulischen Kontext für Sie?

Für uns heisst schulisches Erwachsenwerden vor allem: Kann ein Kind seinen Schulalltag zunehmend selbstständig bewältigen? Das ist ein wichtiger Pfeiler. Schülerinnen und Schüler brauchen Raum, Zeit und Energie, sich weiterzuentwickeln.

Wenn jemand dauernd nur denkt: «Haben wir heute Französischprüfung? Keine Ahnung», dann bleibt wenig Platz für persönliche Entwicklung. Deshalb braucht es Unterstützung bei der Planung. Gleichzeitig darf man den Jugendlichen nicht alles abnehmen. Sie dürfen auch einmal scheitern oder merken, dass etwas nicht funktioniert hat. Hier braucht es eine gute Balance zwischen Begleitung und Loslassen.

Woran merken Sie als Eltern, dass ein Kind erwachsen wird?

Ein wichtiger Moment ist, wenn ein Kind beginnt, sich eigene Ziele zu setzen. Wenn es sagt: «Ich will dorthin», dann übernimmt es automatisch mehr Selbstverantwortung. Das ist nicht bei jedem Kind gleich früh. Aber wenn dieser Punkt kommt, merkt man: Da denkt jemand voraus.

Auch Beziehungen sind ein Zeichen. Wenn plötzlich eine Freundin oder ein Freund auftaucht, wenn sich eine Klasse als Gruppe organisiert und die Jugendlichen merken: Wir gehören zusammen. Das sind wichtige Schritte. Und für uns als Eltern geht das mit dem eigenen Loslassen Hand in Hand. Plötzlich merkt man: Ich bin gar nicht mehr so nah dran – und es läuft trotzdem.

Verändert sich mit dem Erwachsenwerden auch die Beziehung zu Lehrpersonen?

Ja, das haben wir stark mitbekommen. Bei unseren älteren Kindern wurden Lehrpersonen mit der Zeit zu wichtigen Bezugspersonen. Nicht unbedingt immer die Klassenlehrperson, sondern manchmal jemand, der durch das gemeinsame Unterwegssein an der Schule wichtig wurde.

Für die jüngeren Geschwister war es spannend, dass sie gewisse Namen schon kannten. Namen, die zuerst nichts bedeuteten, wurden plötzlich zu Personen. Am Familientisch wurde über Lehrpersonen gesprochen, über Episoden aus dem Unterricht, über Witze oder persönliche Momente. Nicht der konkrete Biologiestoff wurde erzählt, sondern das, was die Beziehung sichtbar macht.

Das zeigt für uns einen anderen Umgang: Lehrpersonen begegnen den Schülerinnen und Schülern auf Augenhöhe und zeigen auch etwas von sich als Person. Das funktioniert nur, wenn sich Lehrpersonen im Unterricht wohlfühlen. Dann entstehen solche Momente.

Was hat die Schule Ihren Kindern für die Zeit nach der Maturität mitgegeben?

Unsere Kinder sind nach der Maturität selbstbewusst in die nächste Phase gegangen. Bei der Studienwahl hatten wir den Eindruck: Sie kennen ihre Stärken, sie wissen, was sie wollen und was sie können, und gehen mutig in diese Richtung. Sie kamen nicht erschöpft oder abgelöscht aus der Schule, sondern mit der Bereitschaft, weiterzugehen.

Wichtig war auch, dass sie sich ihrer Schwächen bewusst wurden, ohne daran zu zerbrechen. In einem Fall hätte eine Schwäche in einem Fach sehr negativ erlebt werden können. Aber offenbar wurde das von der Lehrperson so vermittelt, dass nicht einfach die Botschaft blieb: «Das kannst du nicht.» Stattdessen entstand eher die Haltung: «Das kann ich nicht so gut – und das ist okay.» Das hat viel mit Selbstvertrauen und Zufriedenheit mit sich selbst zu tun.

Gibt es etwas, das Sie besonders mit der Kantonsschule Zimmerberg verbinden?

Für uns ist die soziale Eingebundenheit ein wichtiger Punkt. Die Schule liegt nahe am Wohnort, die Jugendlichen treffen auch Kolleginnen und Kollegen aus Vereinen wieder. Das gibt Sicherheit. In einer grossen Stadt wäre vieles stärker durchmischt und anonymer.

Dazu kommt die Bereitschaft vieler Lehrpersonen, ins Gespräch zu gehen. Wenn etwas ansteht, wenn es um Fussball, Absenzen, verpasste Lernziele oder andere Fragen geht, hatten wir den Eindruck: Man kann reden. Es wird nicht einfach gesagt: «Nein, das ist nicht möglich.» Es gibt ein offenes Ohr und den Versuch, Lösungen zu finden.

Das ist etwas, was die Jugendlichen mitnehmen: Ich kann mit Menschen sprechen, wenn etwas schwierig ist. Fragen werden nicht einfach abgetan, sondern auf eine gute Art aufgenommen – und trotzdem geht der Unterricht weiter.

Was würden Sie anderen Eltern mitgeben, deren Kinder diesen Weg noch vor sich haben?

Wir haben die Schule als niederschwellig erlebt. Wir hatten immer den Eindruck, dass ein grundsätzliches Interesse besteht, die Elternperspektive zu hören und Anliegen aufzunehmen.

Es ist eine gute Schule und ein gutes Gymnasium – aber es bleibt ein Gymnasium mit Anforderungen. Ein Kind muss bereit sein, Lernstoff zu erarbeiten, Zeit zu investieren und diesen Weg auch wirklich selbst zu wollen. Wenn das nicht der Fall ist, wird es schwierig. Das hat aber weniger mit dieser konkreten Schule zu tun als mit dem Gymnasium an sich.

Als Eltern darf man sich auch etwas Druck nehmen. Es gibt viele gute, spannende Wege, die zu einem guten Ziel führen. Es muss nicht zwingend das Gymnasium sein. Und wenn ein Kind diesen Weg geht, muss man wissen: Er prägt auch das Familienleben. Wenn mehrere Prüfungen anstehen und gleichzeitig noch ein Match oder ein Vereinsanlass dazukommt, dann ist ein Wochenende schnell verplant.

Wo könnte die Schule aus Ihrer Sicht weiter wachsen?

Wir würden uns noch mehr interdisziplinäres Arbeiten wünschen. Fächer wie Deutsch und Geschichte oder Geschichte und Französisch bieten viele Möglichkeiten, voneinander zu profitieren. Auch der Schritt aus dem Schulzimmer hinaus ist wichtig. Lernen wird oft besonders wirksam, wenn es weniger künstlich und näher am Alltag ist – etwa durch Projekte, Zusammenarbeit mit Betrieben, Hochschulen oder Institutionen aus der Umgebung. Es geht nicht darum, das Bestehende radikal umzubauen. Eher um kleine Entwicklungen an verschiedenen Orten: Zeitfenster finden, Räume öffnen, mutig ausprobieren.

Was ist Ihr Fazit?

Erwachsenwerden bedeutet nicht, dass Jugendliche von heute auf morgen alles allein können müssen. Es ist ein Prozess: planen lernen, Verantwortung übernehmen, eigene Ziele setzen, Beziehungen gestalten, Stärken erkennen, Schwächen annehmen und den eigenen Weg finden.

Die Kantonsschule Zimmerberg hat unseren Kindern dafür viel mitgegeben: Sicherheit, Offenheit, persönliche Beziehungen und die Bereitschaft zum Gespräch. Gleichzeitig darf die Schule auch pädagogisch weiterwachsen – sie hat viel Potenzial.

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