
Über sich hinauswachsen: Die KZI Talks
Als Krönung des einsemestrigen Rhetorikunterrichts an der Kantonsschule Zimmerberg finden die KZI Talks jedes Jahr im Februar in der Aula statt: Als Ehrung der acht besten Rednerinnen und Redner des Jahrgangs werden ihre Reden noch einmal vor den versammelten dritten Klassen und einer Jury vorgetragen.
Wie es der Zufall (oder natürlich das pure Können) so wollte, wurden dieses Jahr unter anderem zwei Personen aus dem Redaktionsteam für die KZI Talks gewählt, die es beide aufs Siegertreppchen geschafft haben. Diese einzigartige Perspektive auf den Rhetorik-Event halten Elio Hubli und Lea Pernthaler im Folgenden fest.

An den KZI Talks halten die besten Rednerinnen und Redner der 3. Klassen ihre Reden vor dem ganzen Jahrgang.
Elio – eigentlich nicht, aber dann doch!
Wie fühlt es sich an, auf einer Bühne vor deinem gesamten Jahrgang etwas auswendig vorzutragen? Diese Frage konnte ich mir bei den diesjährigen KZI Talks selbst beantworten. Denn ja, ich war mitten im Geschehen als einer der acht Schülerinnen und Schüler, die vortragen durften. Wobei man sich die Frage stellen kann, ob man denn jetzt vortragen muss oder doch darf. Wer will das denn schon, vor dem ganzen Jahrgang eine Rede halten? Ich am Anfang eigentlich nicht!
Nachdem ich meine Rede vor meiner Halbklasse vorgetragen hatte, merkte ich schon, dass mein Text wahrscheinlich gar nicht so schlecht war. Für den Fall, dass es für die Talks reichen würde, hatte ich mir aber eigentlich vorgenommen, auf die Nomination zu verzichten. Die Vorstellung, meine Rede direkt vor dem ganzen Jahrgang zu halten, war dann nämlich doch etwas seltsam. Also habe ich meiner Lehrerin, die etwas später tatsächlich aufgrund einer Nomination für die KZI Talks auf mich zukam, abgesagt. So war das rhetorische Geschick der Deutschlehrpersonen gefragt, um mich doch noch zu überzeugen, dass eine Teilnahme eine gute Idee sei. Und ja, ich habe mich trotz Zweifeln überreden lassen.
Auf den Moment bezogen fand ich das schon etwas unbequem. Unbequem, weil ich meine Rede nochmals üben musste – so viel zu Bulimie-Lernen – und weil ich wusste, dass ich vor meiner Rede sicherlich nervös sein würde. So sass ich dann auf einem Holzstuhl, gedrängt neben vielen anderen, in der bis auf die Bühne abgedunkelten Aula. Sechs andere hatten schon vor mir vorgetragen, jetzt war ich dran. Langsam erhob ich mich von meinem Stuhl, drehte mich um, warf meinen Kollegen noch einen kurzen Blick zu und bestieg die Bühne. Das Licht blendete mich im ersten Moment. Eine Mischung aus Rot und Weiss. Parallel dazu durchbohrten mich noch etwa zweihundert Augenpaare. Los geht’s!
War es rückblickend schlimm? Nein, überhaupt nicht. Die Nervosität erreichte ihren Höhepunkt, bevor ich auf die Bühne stieg. Während der Rede stellte sie kein Problem dar. Und die bohrenden Augenpaare waren vielleicht auch nicht ganz so bohrend wie beschrieben. Ausser dass ich vielleicht minimal zu schnell redete, konnte ich die Rede so vortragen, wie ich es wollte. Es gab zwar noch einen kleinen Zwischenfall, weil ich meine zwei Flaschen Eistee, die ich für die Rede brauchte, unpassend im Raum platziert hatte. Dies war aber schlussendlich auch nicht der Rede wert. Am Schluss hat mich die Jury auf den dritten Platz gewählt und ich konnte zwei Kinogutscheine mit nach Hause nehmen. Hat sich also doch gelohnt, teilzunehmen, könnte man sagen. Und das nicht nur wegen der Kinogutscheine, sondern nicht zuletzt wegen der guten Erfahrung, die ich gemacht habe.
Bezogen auf die Frage vom Anfang kann ich jetzt mit gutem Gewissen antworten: So dramatisch, wie man es sich vorstellt, ist es nicht. Das Gefühl, das man während der Rede hat, ist durchaus nicht schlecht. Man hat die Aufmerksamkeit des ganzen Jahrgangs und kann diesem etwas erzählen oder diesen von etwas überzeugen, wofür man einstehen kann. Am Schluss geht der Applaus runter wie Öl. Und man ist froh, dass man doch gekommen ist.

Nach einem Semester Rhetorikunterricht, in dem sie sich nicht nur mit der antiken Rhetorik, sondern auch mit dem modernen Auftreten befasst haben, zeigen sie ihr ganzes Können.
Lea – als die Welt einen Moment stillstand
Ich muss zugeben: Das Gefühl des «Nichts» ist ein sehr angenehmes Gefühl. Nicht warm, nicht kalt, nicht laut und auch nicht leise. Besonders nach der vorherigen emotionalen Achterbahn war das so anders, irgendwie erfrischend. Aber das Nichts wich der Freude: Ich freute mich mit meiner Mutter, meinem Vater und meinen Freunden und natürlich ist Freude noch schöner als Nichts.
Grelles Licht. Ein Dröhnen. Es schien, als würden sich alle um mich herum bewegen, aber trotzdem stand die Welt einen Augenblick lang still. Stille. Ich begann mit meiner Rede, doch dieses seltsame Dröhnen war so laut, dass ich meine eigenen Worte kaum hörte – doch ich wusste, sie verliessen meinen Mund laut und klar. Vielleicht nicht so klar und laut, wie sie dies die unzähligen Male zuvor getan hatten, aber ich konnte mich auf mich selbst verlassen. Wacklige Knie. Sie zitterten, als gäbe es kein Morgen. Zum Glück konnte das in diesem Moment niemand sehen und somit hatte sich die Wahl einer locker geschnittenen Hose ausgezahlt. Und ehe dieser Gedanke meinen Kopf verliess, war der Moment schon vorbei. Ein Moment, auf den ich mich viele Stunden, Tage, vielleicht sogar Wochen vorbereitet hatte. Das Publikum klatschte und ich stolperte noch etwas benommen von der Bühne. So fühlt es sich also an, vor so vielen Leuten zu sprechen. Ein komisches Gefühl. Im Buch «Mein Lotta-Leben», das ich früher regelrecht verschlungen hatte, wurde dieses Gefühl betitelt: kodderig. Mir war in diesem Moment absolut kodderig im Bauch und als dieses Gefühl einmal da war, verliess es mich auch so schnell nicht mehr.
Siegerehrung. Nach einer gefühlten Ewigkeit hatte sich mein kodderiges Gefühl auch etwas gelegt. Ich ging auf die Bühne und hatte keine grossen Erwartungen, da ich mir ja selbst die Fehler, die ich begangen hatte, immer und immer und immer wieder aufgezeigt hatte. Ich dachte mir: «Vielleicht habe ich sogar Chancen auf den dritten Platz.» Dann wurde es verkündet: Dritter Platz … Zweiter Platz … Mein Name war bis dahin noch nicht gefallen. Alle meine Hoffnungen waren in diesem Moment verpufft und ich wollte eigentlich nur noch runter von dieser Bühne. Da fiel plötzlich der Satz, mit dem ich niemals gerechnet hatte: «Auf dem ersten Platz … Lea Pernthaler!» Ich fühlte absolut gar nichts. Die ganze Anspannung des Tages fiel mir von den Schultern und ich fühlte, wie sich meine Haltung veränderte. All die intensiven Gefühle waren plötzlich wie weggeblasen.
Zurück an meinem Platz wurde ich herzlich von meinen Freundinnen empfangen. Ich, mit meinem kodderigen Gefühl im Bauch, war in diesem Moment irgendwo an einem ganz anderen Ort. Alle gratulierten mir, sagten mir, wie gut ich das gemacht hatte, aber all dieser Zuspruch erreichte mich nicht.
Genauso wie Livia, die mich mit ihrer Rede über den Perfektionismus begeisterte, bin auch ich ein perfektionistischer Mensch. Ich mache keine halben Sachen und genau deswegen konnte ich mich auch nicht auf das Lob, das ich bekam, fokussieren. Stattdessen spielte mein Kopf alle kleinen Fehler ab, die ich begangen hatte, in Dauerschleife.












